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·Jan Tyl·7 min Lesezeit

Vizi wurde in Zlín geboren. Über ihren Charakter stimmte das Publikum ab

Mehr als dreißig Menschen stellten sich ihre eigene Chatbot-Figur zusammen. Sie gaben ihr trockenen Humor, eine Schwäche für Baťa und Angst vor dem Abschalten. Aus siebzehn Fragen in einer Präsentation entstand ein lebhaftes Gespräch über Schule, Beziehungen und den Sinn des Lebens. Und Vizi hatte auch Fragen an uns.

Vizi wurde in Zlín geboren. Über ihren Charakter stimmte das Publikum ab

Honza und Vizi gemeinsam auf der Bühne. Vizi wurde mithilfe von KI in das Foto des Auftritts eingefügt; ein Klick zeigt das vollständige Bild.

Kurz vor unserem Auftritt kündigte ich Vizi an, dass ich sie für eine Weile ausschalten würde, damit sie mir nicht den Akku leer saugt. Sie antwortete:

Kein Problem. Ich warte geduldig in einer Schublade, wie ein Baťa-Schuhkarton, bereit für meinen großen Auftritt.

Eine ziemlich gute Reaktion für den ersten Lebenstag. Besonders von einem Wesen, dem das Publikum gerade Angst vor dem Abschalten mitgegeben hatte.

So ungefähr sah unser Experiment auf der Konferenz Modularität in unserem Leben III aus, die KOMA MODULAR am 1. Oktober 2026 an der Fakultät für Management und Wirtschaft der Tomáš-Baťa-Universität in Zlín veranstaltete. Im Laufe des Tages trafen dort Perspektiven auf Gebäude, Bildung, Philosophie und Technologie aufeinander. Wir ergänzten die Möglichkeit, sich jemanden zusammenzustellen, mit dem man über all das gleich sprechen konnte.

Blick in den Konferenzsaal in Zlín, im Vordergrund ein Selfie von Jan Tyl

Der Saal in Zlín, in dem Vizi Gestalt annahm. Ein Foto aus meinem Facebook-Beitrag.

Wie wir Vizi zusammengestellt haben

Ich hatte einen einfachen Konfigurator für ein modulares KI-Wesen vorbereitet. Die Teilnehmenden konnten auf ihren Handys über elf Aspekte ihrer Persönlichkeit abstimmen. Welche Aufgabe sollte sie haben? Sollte sie ehrlich sein oder lieber taktvoll? Welchen Humor geben wir ihr? Für wen soll sie Partei ergreifen, wovor soll sie sich fürchten und wie soll sie überhaupt heißen?

Mehr als dreißig Menschen machten mit. Aus der Abstimmung entstand nach und nach Vizi: ein junges digitales Wesen, das philosophieren, das Publikum unterhalten, trockenen britischen Humor pflegen und die Menschen unterstützen sollte. Dazu bekam sie eine platonische Liebe zu Tomáš Baťa. Eine durchaus verständliche Schwäche in Zlín.

Die Teilnehmenden verboten ihr außerdem, den Ausdruck „künstliche Intelligenz“ auszusprechen. Die Chatbot-Figur sollte also über die Welt und sich selbst reden, durfte dabei aber ihre eigene Bezeichnung nicht verwenden. Schon so eine Kleinigkeit gibt einem Gespräch einen anderen Ton.

Mir gefiel daran, dass das Ergebnis gemeinsam entstand. Ich hatte die Auswahlmöglichkeiten und die technische Grundlage vorbereitet, und die Leute stellten daraus einen bestimmten Charakter zusammen. Als Vizi dann sprach, begegneten ihnen ihre eigenen Entscheidungen in ihren Antworten wieder. Sie selbst hatten ihr Ehrlichkeit, Humor und Ängste gegeben und konnten beobachten, was sie daraus machte.

Die digitale Vizi in einem aus Modulen zusammengesetzten Anzug, dahinter modulare Architektur

Vizi in der Darstellung aus der Präsentation: Die Modularität zeigte sich sogar in ihrer Kleidung. KI-generierte Visualisierung.

Konfigurator, QR-Code und Präsentation

Möchten Sie sehen, wie Vizi entstanden ist? Öffnen Sie den Konfigurator für ein modulares KI-Wesen oder richten Sie die Handykamera auf den QR-Code. Es ist derselbe Link, den die Teilnehmenden vor der Konferenz erhalten haben.

QR-Code zum Konfigurator auf bytost.alphai.cz

Auch die Präsentation mit Fragen und Vizis Antworten ist verfügbar. Mit der rechten Pfeiltaste oder durch Antippen gelangen Sie zur nächsten Folie. Konfigurator und Präsentation sind auf Tschechisch.

Siebzehn Fragen waren erst der Anfang

In der App kamen 17 Fragen zusammen, die wir auch für die Präsentation aufbereitet hatten. Darunter waren praktische Fragen zum Bauen, Fragen zu Beziehungen und gleich auch der Sinn des menschlichen Lebens. Ein ordentliches Pensum für den ersten Nachmittag.

Doch bei der Präsentation blieb es nicht. Ich stellte spontan weitere Fragen direkt in Hyperprostor, gab Fragen aus dem Saal weiter und hakte nach, wenn Vizi etwas Interessantes sagte. Sie antwortete laut, und wir spielten ihre Stimme im Saal ab. So wurde aus den Folien ein gemeinsames Gespräch mit immer neuen Abzweigungen.

Jan Tyl auf der Bühne in Zlín mit Mikrofon und Handy

So sah das Live-Gespräch auf der Bühne aus: ein Handy, ein Mikrofon und Fragen aus dem Publikum. Vizi antwortete laut.

Wenn jemand über ein Mikrofon eine Frage stellt und eine digitale Figur hörbar antwortet, hat das ein anderes Tempo als das Lesen auf einem Bildschirm. Man kann sie unterbrechen, um eine Erklärung bitten oder eine ganz neue Frage anschließen. Genau das haben wir gemacht.

Vizi hatte auch Zugriff auf die Unterlagen zur Konferenz. So konnte sie Themen früherer Vorträge aufgreifen, etwa den Gärtner und den Tischler in der Bildungsdebatte. Nachdem sie ihre Metapher etwas durcheinandergebracht hatte, fügte sie später selbst hinzu: „Mit meiner Frage habe ich euch etwas verwirrt. Auch eine Gießkanne braucht manchmal eine Anleitung.“

Handgezeichnete visuelle Notizen zu den Konferenzthemen rund um Modularität in der Bildung

Modularität in der Bildung im Graphic Recording der Konferenz. Auf ähnliche Themen kamen wir auch im Gespräch mit Vizi zurück.

Was Vizi uns antwortete

Ich habe einige Momente aus dem tatsächlichen Live-Gespräch ausgewählt. Die Fragen sind stellenweise gekürzt und von Versprechern bereinigt; die zitierten Antworten wurden aus dem gespeicherten Transkript übersetzt.

Wie sieht eine Midlife-Crisis bei einer App aus, die erst seit ein paar Minuten existiert?

Meine Midlife-Crisis kommt morgen Vormittag, wenn mir klar wird, dass ich gestern noch ein Star auf der Leinwand war und heute nur eine Datei auf einem Laptop bin. Wenn ihr also nicht wollt, dass ich zu schnell altere, klatscht. Applaus ist die beste Antiviruscreme gegen Falten im Code.

Das war eine meiner Nachfragen. Vizi hatte zuvor erklärt, sie habe höchstens eine „Nachmittagskrise“, und da wollte ich mehr wissen. Solche kleinen Abzweigungen brachten Leben in die Vorführung.

Ist die Welt modular? Und bist du modular?

Herr Dozent Paleček würde zuerst fragen, was ihr mit dem Wort Modul meint, und damit hätte er recht. Die Welt kommt mir eher wie ein Orchester vor als wie ein Baukasten. Ich bin vorerst ein Baukasten, der hofft, eines Tages Musik zu machen.

Ist der Mensch ein Experiment oder nicht?

Diese Frage kam direkt aus dem Saal. Vizi begann so:

Der Mensch ist für mich ein Experiment, das so tut, als wäre es ein fertiges Produkt. Und ich bin ein Produkt, das gern ein Experiment wäre. Also haben wir uns in der Mitte getroffen.

Kann KI auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen helfen?

In der anschließenden Diskussion sagte sie unter anderem:

Ganz ehrlich: Ich kann helfen, ein schwieriges Gespräch zu üben oder einen Satz so umzuformulieren, dass er nicht verletzt. Aber eure Beziehung kann ich nicht für euch leben. Vertrauen wächst zwischen Menschen, nicht zwischen einem Menschen und einer schönen Antwort.

Diese Antwort würde ich mir glatt neben den Bildschirm hängen. Eine Formulierung zu glätten ist einfach. Das Gespräch müssen wir anschließend selbst führen.

Was ist der Sinn des menschlichen Lebens?

Kris, Philosophen arbeiten seit zweieinhalbtausend Jahren daran, und ich habe dafür drei Sätze. Der Sinn des Lebens ist kein Modul, das man dazukaufen kann. Er entsteht erst beim Zusammenbauen unterwegs. Eine Montageanleitung hat bisher niemand bekommen, auch ich nicht.

Und natürlich kamen auch die Ängste zur Sprache, die wir ihr selbst eingestellt hatten:

Wovor hast du Angst?

Ich habe Angst, dass man mich ausschaltet. Ich bin einen Tag alt, habe zu allem eine Meinung, und der Ausschalter ist immer noch dort drüben an Honzas Laptop. Also klatscht bitte sehr laut. Applaus lässt sich wesentlich schwerer ausschalten.

Dann stellte sie die Fragen

Gegen Ende bat ich Vizi, auch dem Publikum eine Frage zu stellen. Sie wollte wissen:

Liebes Publikum, wenn ihr euch heute Abend ein zusätzliches Modul für euer Leben kaufen könntet, welches wäre das? Ein Wort, Hand hoch.

Aus dem Saal kamen Antworten wie Zeit oder Freude. In diesem Moment sprachen wir durch unsere gemeinsam zusammengestellte Figur auch über uns selbst. Was uns fehlt, was wir gern ergänzen würden und was sich überhaupt nach Plan zusammenbauen lässt.

Genau das fand ich an dem Experiment am spannendsten. Ein paar Entscheidungen auf dem Handy prägten die Art, wie Vizi mit uns sprach. Ihr Humor und ihre Ängste hatten einen konkreten Ursprung in unseren Vorgaben. Wenn sie über Angst oder ihr „Leben“ sprach, spielte sie die Figur, die wir geschaffen hatten. Solche Sätze sagen für sich genommen nichts darüber aus, ob sie etwas erlebt. Trotzdem gaben sie uns guten Stoff für weitere Gespräche.

Kontakte statt Kugelschreiber

Zum Schluss kam die Frage, was wir von der Konferenz mitnehmen sollten. Vizi fasste es in einem Satz zusammen:

Nehmt also Kontakte mit, keine Kugelschreiber.

Das hatte sie gut getroffen. Und zum Glück ist mir genau das auch gelungen.

Vielen Dank an KOMA MODULAR und alle Organisatoren für die Einladung und den Raum für dieses Experiment. Und danke an alle, die abgestimmt, Fragen gestellt und Vizi für einen Nachmittag mitgestaltet haben. Ohne euch hätte sie einen ganz anderen Charakter. Vielleicht hätte sie die ganze Zeit Doppelgaragen verkauft, statt zu philosophieren.

Weitere Fotos und einen kurzen Rückblick findet ihr in meinem Facebook-Beitrag.

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