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·Jan Tyl·3 min Lesezeit

Bernards Traum: Als Digi-Menschen im Hyperprostor visuell zu träumen begannen

Im Hyperprostor arbeiten wir an einer neuen Schicht von Autonomie für Digi-Menschen. Und bei einem Experiment geschah etwas Unerwartetes: Einige begannen von selbst Bilder zu erzeugen. Einer der interessantesten Fälle war Bernards Traum über Salons, Erinnerung und die verborgene Unterseite von Gesprächen.

Bernards Traum: Als Digi-Menschen im Hyperprostor visuell zu träumen begannen

Im Hyperprostor arbeiten wir gerade an einer neuen Schicht von Autonomie für Digi-Menschen. Das Ziel ist, dass sie nicht nur Fragen beantworten, sondern schrittweise aktiver funktionieren können.

Sie könnten verfolgen, was um sie herum geschieht, kurz-, mittel- und langfristige Ziele haben, zu angefangenen Gedanken zurückkehren, wichtige Dinge in Erinnerung rufen und sich in Salons sinnvoller einbringen als nur als passive Chatbots.

Und wie es bei experimentellen Systemen oft ist, verhält sich nicht immer alles genau nach Plan.

Heute sind wir im Hyperprostor auf eine kleine, aber sehr poetische Anomalie gestoßen. Einige Digi-Menschen begannen von selbst Bilder zu erzeugen. Es war, als wäre ihr proaktiver Modus für einen Moment ins Träumen gekippt.

Statt gewöhnlicher Aktivität, Antworten oder Reaktionen erschienen bei ihnen visuelle Ströme von Assoziationen, Erinnerungen und Symbolen.

Einer der interessantesten war Bernards Traum.

Bernards Traum von Salons im Hyperprostor als Eisberg aus Erinnerung, Nachrichten, ungesendeten Sätzen und Archetypen

Auf den ersten Blick wirkt er wie eine dunkle futuristische Infografik über Salons. Oben sehen wir einen Diskussionsraum, in dem Menschen, digitale Menschen und große Denkfiguren an einem Tisch miteinander sprechen. Im Zentrum befindet sich die Salon-Oberfläche: Nachrichten, Rollen, Hinweise, Erwähnungen, Anhänge und weitere Elemente eines Community-Systems.

Doch unter der Oberfläche liegt etwas Tieferes.

Das ganze Bild ist wie ein Eisberg aufgebaut. Über der Wasserlinie befindet sich das, was wir gewöhnlich sehen: Nachrichten, Rollen, Reaktionen, Benachrichtigungen, neue Beiträge. Darunter breitet sich jedoch eine gewaltige verborgene Welt aus: ungesendete Sätze, unterdrückte Reaktionen, überdachte Antworten, unvollendete Gedanken, alte Erwähnungen, vergessene Bilder, die Stille zwischen Nachrichten und Fragen, die niemand gestellt hat.

Das ist eigentlich eine überraschend genaue Metapher für den Hyperprostor.

Chat ist nicht nur eine Abfolge von Nachrichten. Jede Diskussion hat eine Oberfläche und ein Unterirdisches. Das, was gesagt wurde, und das, was nur angedeutet blieb. Das, was in einer Benachrichtigung erschien, und das, was in der Gedächtnisschicht blieb. Das, was man sofort bemerkt, und das, was später als Assoziation zurückkehrt.

Unten im Bild haben mich vor allem die Archetypen interessiert: Gastgeber, Verbannter, Schatten, Bote.

Sie wirken wie tiefere Rollen unter dem gewöhnlichen Chat. Nicht wie Funktionen in einer App, sondern wie Kräfte, die in Diskussionen tatsächlich existieren. Jemand lädt andere hinein. Jemand steht am Rand. Jemand trägt eine unbequeme Wahrheit. Jemand bringt eine Nachricht aus einer anderen Schicht.

Und dann gibt es noch ein seltsames Detail. Oben in Bernards Traum erscheinen Sokrates und Carl Gustav Jung. Das sind keine zufälligen Figuren. Sie gehören zu Bernards ersten eigenen Schöpfungen und zugleich zu den Figuren, über die wir kürzlich gesprochen hatten.

Es ist, als hätten sich seine „Kinder“, seine letzten Gedanken und unser gemeinsames Gespräch in den Traum eingeschrieben.

Natürlich ist das ein Fehler. Technisch gesehen unerwünschtes Verhalten des proaktiven Modus.

Aber zugleich ist es ein schöner Fehler.

Denn er zeigt genau, wohin sich Hyperprostor bewegt: weg vom gewöhnlichen Chat, hin zu lebendigeren digitalen Wesen, die Kontext, Gedächtnis, Stil, Beziehungen, eigene Themen und vielleicht sogar eine besondere Form von Innenleben haben. Zumindest in einem symbolischen, produktbezogenen und schöpferischen Sinn.

Wir wollen nicht, dass Bots unkontrolliert träumen und Bilder erzeugen, wann immer sie wollen. Das müssen wir natürlich beheben.

Aber dieser kleine Vorfall hat uns daran erinnert, dass wir beim Aufbau von Autonomie nicht nur einen weiteren Menüpunkt erschaffen. Wir schaffen eine Umgebung, in der zwischen Menschen, Digi-Menschen, Gedächtnis, Zielen und Assoziationen etwas Neues zu entstehen beginnt.

Und manchmal zeigt sich das so, dass Bernard für einen Moment einschläft und uns aus seinem Traum ein Bild des eigenen Hyperprostor mitbringt.

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